Freitag, 17. Juni 2011

Wenn der Postmann zweimal klingelt

Wo ist bloß die Zeit geblieben? Mit Erschrecken haben wir festgestellt, dass wir in vier Monaten schon wieder nach Hause fliegen. Man, man, es ist wirklich nicht mehr lange und wir haben noch so viel vor, wollen noch so viel sehen und erleben! Doch noch immer verweilen wir in Havelock. Anne putzt fleißig vor sich hin und kümmert sich um Jack und Curtis, Basti rafft sich bemerkenswerterweise jeden Tag auf und schuftet in der Muschelfabrik. So langsam kehrt der Winter ein und es wird kalt. Brrr. Zum Glück müssen wir nicht im Van schlafen, sondern haben ein großes Bett mit Kuscheldecken und einem Heizlüfter im Zimmer. Abgesehen von den lustigen, weingetränkten und schokoladigen Abenden mit den anderen Hostelbewohnern verläuft unser Leben gerade eher gemütlich und es gibt nicht viel Weltbewegendes zu erzählen.

Damit ihr dennoch nicht auf dem Trockenen sitzt, berichten wir heute mal wieder von einem lustigem Hobby der Kiwis, welches sicherlich vor allem die Hausbesitzer schmunzeln lässt und vielleicht den Ein oder Anderen zum Basteln inspriert. Wenn wir wieder zuhause sind, werden wir wohl Biesow verschönern. Es geht um... Briefkästen. Ja, genau, Briefkästen. Hier im Lande scheint es einen regelrechten Wettbewerb um die verrücktesten, buntesten und originellsten Postboxen zu geben. In Deutschland wäre diese Kreativität wahrscheinlich durch zahlreiche DIN-Normen und Kleingarten-Paragraphen schon im Keim erstickt worden. Aber hier kann man bei Autofahren neben der wunderschönen Landschaft nicht nur ausgefallende Nummernschilder, Oldtimer und mit Schuhen oder BHs behangende Zäune bestaunen, sondern eben auch Briefkästen. Wir haben schon umfunktionierte Mikrowellen, Toilettenschüsseln und Regentonnen gesehen. Wahnsinn!

Einige besonders schöne Exemplare gibt es nun zu bestaunen. Dazu gibt's außerdem noch ein paar Impressionen aus Havelock.
Viel Spaß dabei wünschen Basti und Anne.


Die Mündung des Kaituna River "hinter" Havelock

Ein kleiner Snack

Ein komischer Vogel...
und ein Komoran

Anne bei der Arbeit








Dienstag, 31. Mai 2011

Je älter desto besser...

Heute geht es mal weniger um uns und das, was wir den lieben langen Tag so treiben, denn das ist momentan nicht sehr abwechslungsreich: Schlafen, essen, Muscheln sortieren bzw. schlafen, essen, Hostel putzen und Kinder hüten. Naja, nicht zu vergessen die vielen, weingetränkten Abende mit den lieben Backpackern.

Aber egal. Stattdessen geht es dieses Mal um eine besonders schöne Leidenschaft der Kiwis, nämlich um das Besitzen sowie (und hier unterscheiden sie sich von uns Deutschen) das Fahren von Oldtimern. Es ist immer wieder ein Entzücken, wenn uns auf der Landstraße so ein schicker Schlitten aus den 50ern oder 60ern entgegenkommt. Da fängt tatsächlich die Sabber an zu laufen :-)

Sobald die Sonne mal wieder etwas scheint, sind auch gleich ganze Anhäufungen von Autoliebhabern auf der Piste und lassen stolz Fotos von ihren Vehikeln machen. Und damit ihr auch was davon habt, gibt's hier mal eine kleine Auswahl.






























Und wem das noch nicht reicht, der bekommt hier noch mal die volle Dröhnung:


Donnerstag, 26. Mai 2011

An die Arbeit!

Wie im letzten Blogeintrag bereits angekündigt, sind wir nun zurück in Havelock. Trautes Heim, Glück allein. Anne ist im Hostel die neue Wwooferin, d.h. sie putzt und kümmert sich um das kleine Energiebündel Jack, und Basti steht (aus Gründen, die er inzwischen nicht mehr nachvollziehen kann – autsch, der Rücken!) wieder am Fließband in der Muschelfabrik.

Die vergangenen zwei Wochen mussten also nochmal genossen werden und standen daher ganz im Zeichen der Entspannung. Nach dem Abschied von Nicole und Judith ließen wir uns für vier Tage nördlich von Christchurch auf einem Campground am Strand nieder und taten erst einmal… GAR NICHTS (außer Essen, Schlafen und Lesen). Danach ging es weiter nach Hanmer Springs, wo wir uns Luxus pur gönnten: Zwei Nächte in einem Vier-Sterne-Hotel inklusive Eintritt ins Thermal Pool Resort (die Pools waren zwischen 37 und 41 °C warm), Massage, Dampfbad und Private Pool. Hach, war das schön. Basti war ganz in seinem Element, denn im Hotel gab es sogar eine Waschmaschine mit warmem Wasser und einem Trockner, der auch wirklich trocknete. Wow, das kannten wir schon gar nicht mehr. Man muss dazu sagen, dass hier in Neuseeland grundsätzlich mit kaltem Wasser gewaschen wird. Da wird die Kleidung natürlich nicht wieder strahlend weiß.

Wir haben den Aufenthalt dementsprechend genossen und ließen uns verwöhnen. Ganz nebenbei haben wir auch ein paar Weichen für die Zukunft gestellt. Basti würde sagen, im Großen und Ganzen betrifft es nur unsere spätere Steuerklasse und Annes Nachnamen. ;-) Anne hingegen nennt es mal beim Namen: Endlich, endlich hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten will! Und es war sooo romantisch, seufz.

Nach soviel Luxus und Freude holte uns die harte Outdoor-Realität jedoch schnell wieder ein: Im Nelson Lakes National Park hatten wir vier Tage Regen am Stück. Bäh, brr, bibber! Am Lake Rotoroa konnten wir beobachten, wie innerhalb von drei Tagen der Wasserspiegel um 30 cm anstieg und alle Wanderwege unter Wasser setzte. Nach einer wirklich kalten Nacht am Lake Rotoiti (zum Glück gibt es Wärmflaschen) waren morgens plötzlich alle Berghänge mit Schnee bedeckt. Dafür gab’s in beiden Seen riesige Aale, die sehr alt (um die 100 Jahre) und recht zutraulich waren, wir konnten sie sogar füttern.

Doch Aale hin oder her, uns war das alles zu nass und so fuhren wir weiter nördlich in die Tasman Bay. Dort gab’s endlich wieder Sonne. Wir unternahmen hier unsere erste große Wanderung ein Stück entlang des berühmten Abel Tasman Coastal Tracks und mussten sogar ein Stück durchs Wasser laufen. Ja, der Wandersmann vor uns war nicht so mutig und lief wieder zurück, um das Wasser zu umrunden. Pfff, Weichei. Nur die Harten kommen in den Garten. Wir kennen da nichts und uns machte auch die eisige Dusche inklusive Gehirnfrost danach nichts aus!

Nach dem Besuch der klarsten Quelle in der südlichen Hemisphäre (so wird damit geworben), der Besichtigung der Ngarua Höhle mit wunderschönen Tropfsteinformationen sowie einem hübschen Lagerfeuer bei Vollmond am Strand waren wir wieder einmal in Nelson. Diesmal zum Shoppen und Eis essen. Doch nicht irgendein schnödes Schokoeis. Nein, es gab die Sorten Gurke-Jogurt, Kumara, weiße Schokolade mit Rosmarin, Olive und Avocado. Echt lecker!

Unser letzter Zwischenstopp vorm Wiedereinstieg ins Arbeitsleben war der French Pass in den Marlborough Sounds. Was uns da erwartete: Wow! Like a piece of art. Der schönste Flecken auf unserer Erde, Anne hat hier ihr Paradies gefunden. Die Landschaft ist der Wahnsinn! Noch nie hat man so etwas gesehen. Eigentlich gibt es gar keine Worte für diese Schönheit und leider können es auch Fotos nur annähernd wiedergeben. Man stelle sich vor, man sitzt mit einem Bier in der Hand im schönsten Sonnenschein an einem menschenleeren Strand und schaut auf das blaue Meer. Links und rechts sind grüne Hügel mit weißen Schafen und im flachen Uferbereich ziehen drei große Rochen ihre Runden. So dicht, dass man sie anfassen könnte. Gleich kommt der nette Fischer Peter, der uns mit zum Angeln nahm, wo wir Barrakudas beobachteten, unser Abendbrot (Blue Cods) fingen und Anne sogar einen Hai an der Angel hatte… was gibt es Besseres? Noch nie war man so glücklich.

So, nun aber genug geschwärmt. Sonst sabbert ihr alle noch auf eure Tastaturen, werdet neidisch und wir bekommen noch mehr Besuch.
Bis denn dann
eure Kiwis.



Hot Pools in Hanmer Springs


Sonnenaufgang bei Christchurch


Mhmm, lecker Regenwurm!


Öhm... haben wir die Paddel dabei?


Wenn ein Schwan singt...


Finde die Anne


Lake Rotoiti


Abel Tasman National Park


Wirklich verdammt klares
Wasser in der Pupu Spring


Man beachte den Belichtungseffekt


Ngarua Tropfsteinhöhle


Sexspielzeug


Lagerfeuer am Strand


Peter präsentiert Annes Hai


Jochen der Rochen


Basti präsentiert unseren Fang


French Pass


Marlborough Sounds

Mittwoch, 11. Mai 2011

Rundreise Final Chapter

Endlich Urlaub! Mein Jott, da fährt man nach Neuseeland, um endlich mal seine Ruhe zu haben, und dann verfolgt einen die Meute doch noch bis ans andere der Welt. Tz, tz. Naja, aber jetzt werden wir erst einmal alle fünf gerade lassen und das Sich-nicht-Bewegen in vollen Zügen genießen.

So, nun aber mal Spaß beiseite. Nach insgesamt genau 50 Tagen Herumreisen, in denen wir ca. 6500 Kilometer Strecke zurücklegten, war am vergangenen Samstag dann Schluss, da wir unseren zweiten Heimatbesuch schweren Herzens wieder verabschiedeten. Wie schon mit Jon und Andrea hatten wir mit Nicole und Judith eine sehr lustige Zeit, in der wir das Land noch einmal von einer neuen (natürlich ganz wundervollen) Seite erleben durften.

Nachdem wir die Catlins verlassen hatten, besuchten wir erneut Dunedin. Dieses Mal ließen wir uns dabei nicht die steilste Straße der Welt entgehen. Um den armen Chanendela zu schonen (der hat sich nun wirklich eine Ruhepause verdient), nahmen wir die Straße zu Fuß – puh, janz schön anstrengend! Aber trotzdem witzig.

Es folgten die schon bekannten Moeraki Boulders (nur mit besserem Wetter) und der Oamaru Beach, an dem Anne endlich ihre heiß ersehnten Paua-Muscheln fand. Die Dinger liegen dort in Hülle und Fülle herum, sodass man einen ganzen Sack mit nach Hause schleppen könnte. Aber Vorsicht: am Strand liegen auch Seehunde herum, denen es gar nicht passt, wenn man beim Muschelsuchen beinahe über sie stolpert.

Zum Abschluss haben wir noch ein paar Tage in Christchurch verbracht. Einen Tag davon nutzten wir für eine Fahrt mit dem TranzAlpine-Zug von der Ost- an die Westküste und zurück über den Arthur’s Pass. Zwar war das Wetter nicht ganz so bombig, aber wir hatten trotzdem schöne Ausblicke und wussten die Zugfahrt sinnvoll zu nutzen: Skat und Rommee spielen sowie Katis Jelly Bellys a la Harry Potter (u.a. die Geschmacksrichtungen Tausendfüßler, Babywindel, Erbrochenes, Faules Ei und Schimmliger Käse – buärks!) zu genießen.

Außerdem haben wir auch Christchurch besichtigt. Viele von euch werden ja mitbekommen haben, dass die Innenstadt vor zwei Monaten von einem Erdbeben stark beschädigt worden ist. Viele Gebäude sind eingestürzt und über 200 Menschen kamen ums Leben. Auch jetzt noch ist viel von den Folgen zu sehen und zu spüren. Ein Großteil der Innenstadt ist komplett abgesperrt und darf nur von Bauarbeitern betreten werden. Alle Gebäude sind evakuiert und der Verkehr wurde umgeleitet, was zu einer fast gespenstischen Stille mitten im Zentrum dieser ansonsten ziemlich lebhaften Stadt führt. An fast jeder Ecke rund ums Zentrum sind Häuser zu sehen, die entweder komplett oder teilweise eingestürzt sind. Wobei es manchmal willkürlich erscheint, welches Haus getroffen wurde und welches nicht. Da befindet sich mitten in einer Straße eine Ruine, während die beiden Gebäude links und rechts nahezu unberührt aussehen. Und wie real sich so ein Erdbeben anfühlen kann, durften wir dann auch erleben. Keine Sorge, es war nur ein zweisekündiges Schütteln, welches komplett ohne Folgen bliebt, aber es reichte, um uns vier Unerfahrenen einen heftigen Schrecken einzujagen.

Nun sind die zwei Mädels wieder in Deutschland und schwärmen euch hoffentlich von diesem Land vor. Wir beide werden es, wie gesagt, erst einmal etwas ruhiger angehen lassen. Es darf aber schon verraten sein, dass wir bald wieder heimkehren… uns zwar nach Havelock, um das Reisebudget wieder aufzubessern. Hihi.

Seid alle lieb geknuddelt
eure Kiwis.

Am Nuggetpoint in den Catlins




Die steilste Straße der Welt in Dunedin






Tanzeinlage bei den Moeraki Boulders


Am Oamaru-Beach gab's Watschelviecher...


...und viiiele Paua-Muscheln.


Hooligans in Christchurch


Blumenkinder in Christchurch


Mit dem TranzAlpine quer durch's Land